18th
Kleine Erfolge
Mein bisher sechswöchiges Schaffen als klinischer tätiger Arzt ist täglich geprägt von viel Lust aber auch einer nicht unerheblichen Menge Frust. An manchen Tagen klappt vieles prima, Spinalanästhesien stechen sich wie von allein, auch unter schwierigen Bedingungen schieben sich Tuben wie von allein in Luftröhren und die Narkosen verlaufen ohne durch mich nicht beherrschbare Probleme.
An anderen Tagen, wie beispielsweise heute, landet der Tubus im ersten Anlauf unbeabsichtigt in der Speiseröhre, die Arterie will sich partout nicht von mir punktieren lassen und der Aufsicht führende Oberarzt ist ein anstrengender Vertreter der Medizinerspezies, der natürlich alles besser weiß und dem man nichts recht machen kann.
An einem solchen Tag ist es schön, wenn sich wenigstens kleine Erfolgserlebnisse finden, um den fiesen Alltag etwas angenehmer zu gestalten. Wie zum Beispiel heute: Beim Gang über die Station der schneidenden Zunft werde ich plötzlich von einem dort waltenden Halbgott angesprochen, ob ich nicht bei einem Patienten mal versuchen könne einen Zugang zu legen, da dieser so irrsinnig schlechte Venen habe, an welchen bereits die halbe Ärzteschaft seiner Klinik verzweifelt sei. Unterstützt von eben diesem Kollegen begebe ich mich also zum Patienten, sage kurz guten Tag, staue kräftig, ein kurzer Piek und schwupps, der Zugang liegt.
Wer hätte gedacht, dass eine rosa Braunüle mal für solche Glücksgefühle taugt.