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Examen

Nun ist´s amtlich, ich bin Arzt. Na ja, zumindest habe ich mein Examen hinter mit und bestanden hab ich´s auch. Irgendwie, ganz passabel sogar.

Und jetzt? Müsste ich nicht eigentlich glücklich sein, feiern, jubilieren, mir hochmotiviert meine erste Stelle suchen? Müsste ich womöglich schon, aber ich bin´s nicht. Und ich bin nicht allein, mehreren in meinem Freundeskreis geht´s ganz ähnlich. Warum weiß ich, wissen wir alle nicht so genau. Die wenigsten wissen was sie wollen, welches Fach es werden soll. In einem Punkt herrscht aber ziemliche Einigkeit: Erstmal ausruhen, noch ein wenig den Berufsstart hinausschieben, sich noch nicht der Verantwortung für sein eigenes Leben und vor allem dem der Patienten stellen, noch nicht mit der Realität, dass man eigentlich viel zu unvorbereitet für den Beruf ist, konfrontiert werden. Äußerst praktisch ist es in diesem Zusammenhang, wenn man sich noch hinter vorgeschobenen Sachargumenten, wie einer noch nicht fertiggestellten Doktorarbeit verbarrikadieren kann.

Warum aber empfinden wir, warum empfinde ich keine echte Freude über das bestandene Examen? Weil ich Angst habe vor den Realität des Medizinberufes, weil ich weiß, dass ich eigentlich viel zu wenig weiß, weil ich weiß, dass die Ausbildung die ich genießen durfte alles andere als gut war. Ich will mich nicht bei der Zeugnisverleihung selbst feiern, will mir dort nicht anhören, wie auch die Ausbildenden sich selbst feiern.

Und wie muss ich all das nun einordnen? Vermutlich als normal. Den anderen geht´s bekanntlich überwiegend ähnlich. Ich werde mich nie mit apodyktischer Gewissheit das Richtige zu tun für ein Fach entscheiden können. Vermutlich muss man einfach ein paar Bewerbungen schreiben und einfach da anfangen, wo man ein ganz gutes Gefühl hat. Warum auch nicht? Stellen für einen etwaigen, späteren Wechsel gibt´s aktuell genug.

Aber erst noch ein bißchen frei nehmen. Natürlich nur, um an der Doktorarbeit zu feilen…

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