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Oct
14th
Wed
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Zusage

So lange wie möglich habe ich nun versucht den Einstieg in der Beruf hinauszuschieben und nur halbherzig Alibi-Bewerbungen geschrieben. Jetzt aber ist es doch zum GAU gekommen, ach was, vielmehr zum Super-GAU: Ich habe eine Zusage bekommen. Und das nicht irgendwo, sondern sogar an einer namhaften deutschen Uniklinik, also quasi in einem Laden, der für mich immer als Schuppen für Karrieristen firmierte, als eine Art von Haus in das ich schon mal absolut nicht passen würde und nicht passen wollte.

Jetzt muss ich mich damit abfinden, ab dem 01.12. als Anästhesisten-Lehrling an eben einer solchen Institution tätig zu sein und tatsächlich verspüre ich außer der, vermutlich ganz normalen, Nervosität so etwas wie Vorfreude, treibe dazu mittlerweile sogar ernsthaft meine Doktorarbeit voran und gebe das noch nicht verdiente Geld bereits im Voraus aus, damit auf meinem Rechner auch endlich ein Apfel prangt.

Wo soll das noch hinführen?

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Aug
19th
Wed
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Hippokratischer Eid

Neulich im Gespräch mit einer Bekannten:

“Und wenn Du Dein Zeugnis nicht persönlich abholen konntest, dann musstest Du doch nochmal extra zum Schwören des Hippokratischen Eides zum Dekanat, oder?”

“Ähm, ehrlich gesagt schwören wir überhaupt keinen Eid…”

“Was?! Ärzte schwören keinen Eid? Da möchte man ja gar nicht mehr zum Arzt gehen…”

Für die meisten mag es ja nach jahrelanger Indoktrination durch Arztromane respektive -serien etwas überraschend kommen, aber kein Arzt schwört den hippokratischen Eid. Kein Arzt schwört überhaupt einen Eid, dieser ist vielmehr ein Stück Medizingeschichte. Ein weiteres Missverständnis ist übrigens bereits der Name des Eides, denn Historiker haben bis heute keine Erwähnung des Eides bei Hippokrates nachweisen können. Tatsächlich findet sich wohl die früheste Dokumentation bei einem römischen Arzt im ersten Jahrhundert nach Christus. Wirklich im Rahmen einer Vereidigung wurde der Eid erst Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Frankreich verwendet.

Verpflichtet sind Ärzte derzeit eher der Genfer Deklaration des Weltärztebundes, einer Art modernisierter Fassung des hippokratischen Eides. Im Rahmen der Ausbildung begegnet der Mediziner dieser jedoch auch nicht. Lediglich der hippokratische Eid liegt der Approbationsurkunde bei.

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Jul
25th
Sat
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Mythos Arzt - Teil 2: Der Arzt als Alleskönner

In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist der Arzt an sich oftmals ein medizinisches Allroundtalent: Wenn er auf der Strasse den Sturz einer betagten Dame beobachtet, so ist er direkt zur Stelle, versorgt die Platzwunde, richtet den beim Sturz zugezogenen Oberschenkelhalsbruch, behandelt die dem Sturz zugrundeliegenden Herzrhythmusstörung durch Einschwemmen eines Schrittmachers und entbindet nebenbei noch eine plötzlich in den Wehen liegende Schaulustige. Danach fährt er selbstverständlich die alte Dame ins nächstgelegene Krankenhaus, führt dort eigenhändig eine Kernspintomographie sowie die anstehende Operation des Bruches durch und stellt dann den hohen Blutdruck der Patientin medikamentös neu ein.

Das die altruistischen Aspekte der oben geschilderten Kasusistik nicht ganz so zutreffend sind, wissen die meisten nicht erst seit der Erfindung von Dr. House. Doch gerade dieser Chefzyniker unter den Medizinern und sein Gefolge präsentieren sich in der gleichnamigen Fernsehserie, die übrigens zu Beginn tatsächlich unterhaltsam war und mittlerweile leider so langweilig ist, dass man sie besser absetzen sollte, als wahre Alleskönner. In der realen Welt sieht es hingegen, die meisten werden es ahnen, ganz anders aus. Tatsächlich ist die Medizin eher durch eine immer stärkere Spezialisierung geprägt. Nicht wenige Fachbereiche der Medizin waren beispielsweise vor ein oder zwei Dekaden noch einer übergeordneten Fachrichtung zugeordnet, Internisten sind mittlerweile meist nicht nur Internisten, sondern haben sich mittels einer weiteren Fortbildung auf einen Teilaspekt dieses umfangreichen Faches spezialisiert und in den größeren deutschen Kliniken gibt es mehr und mehr Oberärzte, die fast nur noch ausschließlich für einzelne Teilaspekte ihres Fach oder gar einzelne Krankheitsbilder zuständig sind. Das ist auch gar nicht weiter dramatisch, sondern einfach nur Ausdruck einer Weiterentwicklung der Medizin. Viele Fächer sind durch zunehmenden Erkenntnisgewinn umfangreicher und unübersichtlicher geworden und die Spezialisierung damit nur folgerichtig.

Selbst wenn man einmal von dieser Spezialisierungstendenz der letzten Jahrzehnte absieht, so ist die Spezialisierung eine logische Folge der Medizinerausbildung, welche etwas vereinfacht so aussieht: Man studiert Medizin und sieht von allem etwas aber nichts davon wirklich umfassend, um dann eine Fachweiterbildung in einem bestimmten Fach zu machen. Wird man dann Jahre später mit einer Erkrankung konfrontiert, die einem in den Jahren seiner Fachweiterbildung so gut wie gar nicht untergekommen ist (weil sie eben üblicherweise von einer anderen medizinischen Disziplin behandelt wird), so ist man in aller Regel etwas ratlos, da man nur von seinem mittlerweile Jahre alten Studiumswissen zehren kann. So erklärt es sich, warum so manche Chirurgen beim Anblick von Hautausschlägen Weglauftendenzen entwickeln oder Internisten Schweißausbrüche beim Anblick einer Platzwunde. Ich persönlich übrigens habe regelmäßig Alpträume, in welchen ich in einem Flugzeug sitze und eine junge Stewardess den berühmten Satz “Ist hier irgendjemand Arzt?!?” ruft, um mich dann, nachdem ich fatalerweise die Hand gehoben habe, zu einer Frau in den Wehen zu rufen, wo ich doch in meinem Leben noch keine einzige Geburt erlebt habe…

Übrigens sind die Ärzte, die dem Bild des Alleskönners am nächsten kommen interessanterweise diejenigen, die von Patienten und ihren Kollegen gern mal nicht ganz für voll genommen werden und unter den Medizinern zu den schlechtbezahltesten gehören: Die Allgemeinmediziner.

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Jul
23rd
Thu
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Mythos Arzt - Teil 1: Das Medizinstudium

Ich persönlich bin ja der Meinung, dass der Beruf des Arztes einer der mit den meisten Mythen und Vorurteilen beladensten aller Berufe ist. Deshalb wird hier jetzt in unregelmäßigen Abständen damit aufgeräumt: Von der Ausbildung bis zum Chefarzt soll dabei der Mediziner an sich entmystifiziert werden.

Das Medizinstudium

Viele Menschen, unter ihnen leider auch nicht wenige Mediziner, sind der Meinung, dass Medizinstudium sei eine elitäre Veranstaltung, für die sich lediglich diejenigen eignen, die zuvor natürlich bereits zu den Besten ihres Jahrganges in der Schule gehörten und sich damit als die Fleißigsten und Intelligentesten für dieses Studium qualifiziert haben. Wer darüberhinaus, so wurde ich beispielsweise vor Aufnahme meines Studiums gewarnt, in der Schule nicht Physik und Chemie im Abitur als Leistungsfach belegt habe, dessen Chance auf ein erfolgreiches Medizinstudium sei ohnehin verschwindend gering.

Tatsächlich jedoch handelt es sich beim Medizinstudium um eine oftmals nahezu intellektfreie Zone. Oft wird Nachdenken bei den im Studium ausschließlich vorkommenden Multiple-Choice-Fragen in Form einer falschen Antwort bestraft. Zum Bestehen ist meist mehr stumpfsinniges Auswendiglernen von Fakten nötig, als eine wie auch immer geartete Form von Intellekt. Auch die vielbeschworenen Naturwissenschaften sind eher kurze Streifzüge, denn anspruchsvolles Vertiefen der jeweiligen Thematik und die zugehörigen Prüfungen auch ohne naturwissenschaftlichen Abitur-Schwerpunkt und mit etwas Fleiß selbstverständlich zu bestehen. Einen Nachweis sozialer Kompetenz braucht es für das erfolgreiche Absolvieren des Medizinstudiums im übrigen auch nicht. Nicht selten ist sogar das frühzeitig Erlernen des Einsatzes der eigenen Ellenbogen gegen die Kommilitonen ein wichtiger Schritt in Richtung einer späteren Karriere.

Mit alldem möchte ich, dieser Hinweis scheint mir an dieser Stelle angebracht, keinesfalls den Berufsstand als solchen herabwürdigen. Tatsächlich ist die Profession des Arztes mit Sicherheit einer der anspruchsvolleren Berufe. Ein Irrtum ist es jedoch zu vermuten, deshalb sei auch der Studiengang besonders anspruchsvoll und man fände hier eine Art Elite. Tatsächlich würde ich die Mediziner eher als das Proletariat der Akademiker bezeichnen.

Wer sich also bei seiner Karriereplanung mit dem Gedanken an ein Medizinstudium trägt, der sollte sich keineswegs von weit verbreiteten Vorurteilen verunsichern lassen.

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